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Regel Nr.1: Tue, was dir Spaß macht.

Manchmal ist es jedoch effizienter, ein bestimmtes Ziel zu erreichen, indem man auch an Bereichen arbeitet, die einem gegebenenfalls nicht so viel Spaß machen. Dabei sollte man es aber nicht übertreiben und vielleicht nur soviel machen, dass es einem nicht die Freude am Spiel verdirbt.
Also werde ich niemandem empfehlen, z.B. 50% oder mehr seiner Go-Zeit mit Tsumego zu verbringen, auch wenn dass vielleicht ideal wäre. Wer jedoch regelmäßig das Gefühl hat, gute Stellungen im Nahkampf zu verlieren, der sollte zumindest soviel Tsumego und Tesuji-Übungen machen, wie es die Laune verträgt.

Tsumego – mäßiger Schwierigkeitsgrad
Die Probleme sollten für das eigene Niveau in 3-5 Minuten lösbar sein. Und zwar im Kopf! Nicht mit auslegen. Die Lösung am besten erst kontrollieren, wenn man sich ganz sicher ist (Was mir auch oft nicht gelingt…)
Wenn man in 10 Minuten noch keine Lösung hat, nächstes Problem! Und möglichst ohne die Lösung nachzuschauen.

Profipartien
Grundsätzlich bieten fast alle Profipartien etwas, und jeder kann sich seinen Lieblingsprofi suchen, um aus dessen Partien etwas zu lernen, aber wer gerne Anregungen hätte, der kann gerne mit folgender Liste anfangen:

Yi Changho (ausgewogen, gut geeignet für alle Spielstärken)
Park Yeonghun  (ausgewogen, gut geeignet für alle Spielstärken)
Fujisawa Shuko (ausgewogen, kreativ, gut geeignet für alle Spielstärken)
Yoo Changhyeok (sehr schöne Angriffe, um Profit zu machen, ab 5kyu)
Cho Hunhyeon (schnelle, flexible Spielweise, gut um zu lernen mit schwachen Gruppen umzugehen, ab 5kyu)
Gu Li (gute Eröffnungen, ab 1kyu)
Cho Chikun (gut um zu lernen, wie man Gruppen rettet, ab 1kyu)

Choi Cheolhan und Yi Sedol sind nur mit Waffenschein zu genießen – so sollte man erst versuchen zu spielen, wenn man alle Tsumego-Bücher durch hat! Aber zum ansehen und wundern... warum nicht!

Und um vielleicht mal auf andere Gedanken zu kommen, finde ich klassische Partien sehr gut geeignet. Hier meine Favoriten:

Go Seigen
Honinbo Shusai
Honinbo Shusaku
Honinbo Jowa
Yasui Senchi (O-Senchi)

Die Mischung machts:
Um schnell stärker zu werden, reicht es oft, eine Fähigkeit deutlich zu verbessern, aber um sich ausgewogen weiter zu entwickeln, sollte man keinen der drei Bereiche (Theorie – Tsumego – Praxis) zu sehr vernachlässigen. Sonst läuft man Gefahr, eventuell wie oben erwähnt, viele gute Stellungen durch „dumme Rechenfehler“ zu verlieren, oder – was für die langfristige Entwicklung unter Umständen schlimmer ist – schlechte Strategien für gut zu halten, weil man oft gegen im Schnitt gleich starke Spieler gewinnt, weil man taktisch stärker ist. Solange einem letzteres bewusst ist, ist es noch OK, aber in der Realität wird man oft durch Erfolge geblendet.

Der ideale Mix ist sicher von Fall zu Fall verschieden.
Aber als Leitfaden halte ich in etwa folgende Zeitaufteilung für ein ausgewogenes Selbsstudium als angebracht:

20% Fuseki/Joseki, Theorie (Bücher, Lektionen, etc)
10-20% Profipartien (kann man auch zusammen mit Theorie als einen Bereich sehen)
20% Tsumego
40-50% Selber spielen und danach analysieren (mit sinnvoller Bedenkzeit, so dass auch eine Analyse danach Sinn macht)

Blitzpartien – gern, aber das würde ich nicht als Training zählen.

Als Go-Lehrer versuche ich deshalb, bestehende Ungleichgewichte zu beheben, und fehlerhafte Denkmuster auszumerzen.